Vorwort

Unguja, die Hauptinsel des Sansibar-Archipels, hat nicht nur
eine Weltkulturerbe-Hauptstadt oder den bezaubernden Ozean
mit einer fantastischen Tierwelt zu bieten, sie birgt auch so
manches Geheimnis.
Da gibt es die Shirazi-Kultur, aus dem Morgenland kommend,
die omanische Kultur, welche von den Sultanen geprägt wurde,
aber auch den animistischen Glauben, der immer noch in der
Bevölkerung verwurzelt und allgegenwärtig ist. Alles vermischt
sich zur Swahili-Kultur und lässt uns diese wundervolle Insel in
geheimnisvollem Licht erscheinen.
Die Dorfbewohner nehmen uns gern mit und berichten uns über
alte Ruinen, schauerliche Höhlen und merkwürdige Begebenheiten.

Wir werden in diesem kleinen Büchlein die Insel durchstreifen
und dem einen oder anderen Geheimnis oder Aberglauben auf
die Spur kommen.
Wenn Sie, lieber Leser, ebenso Abenteuerlust bekommen sollten,
finden Sie am Ende des Buches Kontaktdaten, die Ihnen für Ihre
eigene Erkundungstour auf Sansibar weiterhelfen.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken!

Das Geheimnis der Mango-Bäume
(Khole-Ruine Bungi)


Verträumt sitzt sie am Meer und beobachtet den unbeschreiblichen Sonnenuntergang, der das Wasser in eine goldene Farbe taucht. Leichte Wolken ziehen noch am Himmel vorbei, bis das Ufer und der Strand in ein tiefes Schwarz gehüllt sein werden. Sie ist eine omanische Prinzessin, Khole ist ihr Name und ihre Schönheit legendär. Jeder weiß das, obwohl die wenigstens sie wirklich gesehen haben. Zurückgezogen lebt sie in einem Palast und hängt jeden Abend ihren Träumen nach. Der endlose Ozean gibt die fantastischsten Gedanken frei – es ist, als kann nichts und niemand diese Sehnsucht aufhalten, die sich in ihrem Kopf manifestiert. Am Tage gibt es viel Arbeit auf den Nelkenplantagen, die auf ihren Ländereien angelegt sind. Ihr Vater, der Sultan, hat Khole dies alles vermacht und sie ist ihm ewig dankbar dafür.

Aber trotz der Herrlichkeit gibt es etwas, was sie vermisst. Sie ist einsam trotz des Hofstaates, der allgegenwärtig ist. Sie kann ihre Träume nicht ausleben, ihr Herz wird schwer. Schleichend aber unaufhaltsam. Jeden Morgen schaut sie in den Spiegel und sie erkennt ihre Schönheit, so lange, bis sie eines Tages den ersten Sklaven zu sich ruft. „Gefalle ich dir?“ fragt sie ihn und erreicht damit, dass dieser voller Verlegenheit nur unverständliche Wortfetzen stammelt. ‚Was möchte die Herrin von mir?‘ geht es ihm durch den Kopf und er soll es bald erfahren. „Ich möchte, dass du heute nacht bei mir bleibst“, sagt Khole, wohlwissend, dass es damit um ihren Ruf geschehen sein könnte. Der Sklave ahnt, dass ihm nichts Gutes widerfahren wird, so verheißend das Angebot auch sein mag. Nichts anderes bleibt ihm übrig – er verbringt die Nacht bei seiner Herrin. Der Sonnenaufgang naht, bei Khole schleicht sich Ernüchterung ein, aber auch Unbehagen. Sie ruft ihren Leibwächter und entwickelt in Sekundenschnelle einen teuflischen Plan. Gehorsam versichernd zieht sich jener zurück. Unterdessen erwacht der Liebhaber aus seinen süßen Träumen. „Guten Morgen, mein Lieber“, säuselt Khole, „ich habe so eine wunderbare Nacht mit dir verbracht, zur Belohnung möchte ich dir die Freiheit schenken. Mein Leibwächter wird dich auf das Boot nehmen und zum Festland fahren. Ich schenke dir die Freiheit.“ Der Sklave, taumelig vor Freude und allen Argwohn des Abends vergessend, findet nicht genug Worte des Dankes und hält sich bereit.

„Komm“, spricht der Leibwächter, „folge mir!“ Der Sklave tut, wie ihm geheißen. Weit fahren sie aufs Meer hinaus – zu zweit, doch der Leibwächter kehrt allein zurück. Nicht bis ans nächste Land ist er gefahren, aber doch ein Stück weit. „Den Mann fressen nun die Fische“, sagt er nur zur Khole bei seiner Rückkehr und zieht sich zurück.

Wieder vergehen Sonnenuntergang um Sonnenuntergang und wieder nagt die Einsamkeit an Kholes Herz. ‚Hat es einmal geklappt, so wird es wieder klappen‘, denkt sie und begutachtet ihre Sklaven. „Komm du heute abend zu mir“. Ihre Wahl trifft ein Bild von einem Mann, groß, kräftig und muskulös. Die Nacht ist süß, aber auch diese endet und der Ruf der Prinzessin ist in Gefahr. Nur der Leibwächter kann Abhilfe schaffen.

Inzwischen geht es Nacht für Nacht so. Immer neue Sklaven werden beschafft, aber auch immer mehr „in die Freiheit entlassen“. Bis eines Tages der Leibwächter sagt: „Ich kann nicht mehr. Bitte sucht euch einen anderen, der sich um den Verbleib der Sklaven kümmert!“

Khole, inzwischen der Gewohnheit anheim gefallen, kann ihr Tun und Treiben nicht lassen. Es dauert nicht lange und der nächste Sklave wird herbeigerufen. Es ist ihr gleich, dass der Leibwächter gekündigt hat. Die Nacht ist süß, aber sie vergeht wie all die anderen Nächte. Der Gärtner fällt ihr ein, die treue Seele und sie ruft ihn herbei. Er hat keine Wahl, befolgt Kholes teuflischen Plan…

Nach und nach entsteht eine prächtige Mango-Allee bis hin zu Kholes Palast. Die Dorfbewohner dürfen von den köstlichen Früchten nehmen, soviel sie wollen. Und immer länger wird die herrliche Straße, denn immer mehr Bäume kommen hinzu. Nur der Gärtner kennt das Geheimnis – er selbst hat die Köpfe der Liebhaber Kholes dort vergraben und die Bäume darauf gepflanzt.

Eines schönen Tages taucht ein Mann im nahegelegenen Dorf auf. Er ist zerlumpt und wirkt krank. Die Leute schauen auf den ungewöhnlichen Fremden. „Nein, das gibt es ja nicht“, ruft auf einmal ein Fischer, „erkennt ihr ihn denn nicht? Er ist doch aus unserem Dorf, schaut hin!“ „Du hast recht“, bestätigen die Leute. „Ja“, erwidert der Fremde, „ich habe überlebt, als mich Kholes Leibwächter aus dem Boot gestoßen hat. Die Freiheit wurde mir verhießen, so wie allen anderen Sklaven auch, aber gefunden haben sie nur den Tod. Der Höchste hat mir beigestanden - ich bin geschwommen und nun bin ich hier, Allah sei Dank!“ Die Dorfbewohner können es nicht fassen. Viel haben sie vermutet, was im Palast geschieht, aber das übertrifft alle Vermutungen. Kein gutes Haar werden sie mehr an Prinzessin Khole lassen und keine Mangofrucht der so herrlichen Bäume wird mehr so süß schmecken wie am ersten Tag.

Pemba, Wete

Seit uralter Zeit sammeln sich die großen Flugfüchse an vier bis fünf alten Riesen-Bäumen an diesem ungewöhnlichen Ort auf Ungujas Nachbarinsel Pemba. Es sind ca. 1000 an der Zahl, die tagsüber abhängen und sich in der Dämmerung in die Lüfte erheben und in die Schwärze der beginnenden Dunkelheit flattern. Aber einer ist unter ihnen – keiner weiß genau, woher genau er kommt – der Popobawa, der Flugfuchsdämon, der die Menschen schreckerbleichen lässt und für den auch der Ozean kein Hindernis zu sein scheint. Sichtungen soll es 1970 auf Pemba, 1995 in Stone Town und 2007 in Daressalam gegeben haben.
Wald-Expedition

Wald-Expedition

Jozani Forest

Marion Kirlum, Hartigstraße 3, 01127 Dresden   marionkirlum@aol.de

 „Schatzsuche auf Sansibar –eine Reise zu geheimnisvollen Orten“

Autorin: Marion Kirlum  Reiseleiter: Ismail Mcha

Buchinformationen:

Hardcover, DIN A5 hoch, 88 Seiten mit Farbillustrationen

Preis pro Buch: 13,90 €, Versandkosten pauschal: 3,00 €

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